Schilf-Glasflügelzikade

Krankheit und Lebenszyklus

Glasflügelzikadenarten, allen voran die Schilfglasflügelzikade gelten als Hauptüberträger von zwei bakteriellen Erregern auf Zuckerrüben und andere Kulturen (z.B. Kartoffeln, diverse Gemüsearten). Das Protebakterium Candidatus arsenophonus phytopathogenicus (ARSEPH) verursacht in Zuckerrüben die SBR-Krankheit (Syndrome Basses Richesses). Das Stolbur-Phytoplasma Candidatus phytoplasma solani, (PHYPSO) verursacht allein oder in der gefürchteten Doppelinfektion mit dem Proteobakterium die Gummirübenkrankheit (RTD, Rubbery Taproot Disease). 
Die Zikaden fliegen ab Mai/Juni in die Zuckerrüben ein und übertragen die bakteriellen Erreger durch ihre Saugtätigkeit auf die Pflanzen. Noch unbeladene Zikaden wiederum infizieren sich dann über den infizierten Pflanzensaft mit den Erregern und verbreiten die Krankheiten so weiter. Die Weibchen legen ihre Eier in der Nähe des Wurzelkörpers in den Boden ab. Aus den Eiern schlüpfen die Jungstadien der Zikaden, die sogenannten Nymphen. Nach der Zuckerrübenernte und während des Winters ernähren sich die Nymphen bevorzugt an Getreide- und Gräserwurzeln. Sie entwickeln sich zu adulten Zikaden und fliegen im Frühjahr wiederum aus dem Boden in benachbarte Parzellen mit Wirtspflanzen aus (Zuckerrüben, 
Kartoffeln, verschiedene Gemüsearten). Der Zyklus beginnt von neuem und die Erreger werden weiter in den Beständen verbreitet. 

Massnahmen

Können die Zikadennymphen über den Winter ausgehungert werden, so wird die Schilf-Glasflügelzikade sehr effektiv bekämpft und die weitere Verbreitung der bakteriellen Krankheiten (SBR und Gummirübenkrankheit) 
verhindert. Eine 5-6-monatige Winterbrache nach Zuckerrüben eignet sich hierfür am besten und entzieht den Nymphen die Nahrungsquellen. Die Zikaden-population bricht ein und im Frühjahr fliegen kaum adulte Zikaden aus. 
Es sollte daher eine Sommerkultur wie z.B. Mais, Kartoffeln oder Sonnenblumen in der Fruchtfolge nach Zuckerrüben folgen. 
Gräserhaltige Gründüngungen / Zwischenfrüchte sollten auf jeden Fall vermieden werden, da diese die Nymphen auch ernähren. Gemeinsam mit der Fruchtfolgeanpassung, hilft ausserdem die Wahl einer SBR-toleranten Sorte Ertragsverluste effektiv zu vermeiden.  

Geeignete Fruchtfolgen

Nach Zuckerrüben sollte eine Sommerkultur, welche erst ab Mitte März angesät wird folgen: Silomais, Körnermais, Sonnenblumen, Kartoffeln, Soja, Sommerackerbohnen, Konservengemüse, Lein, Lupinen, Quinoa. 

Empfohlene 
Fruchtfolgen

  • NACH Zuckerrüben: KEIN Wintergetreide, generell keine Gräser
  • VOR Zuckerrüben: Weiterhin Wintergetreide (plus Gründüngung) 

Gründüngungen bzw. Zwischenfrüchte nach Zuckerrüben

Die derzeit effektivste und sicherste Methode, um den Zikadenzyklus zu unterbrechen, ist eine Schwarzbrache von 5-6 Monaten. Sollte trotzdem eine Zwischenkultur gefordert sein, bestehen folgende Möglichkeiten: 

  1. Sonderbewilligung vom Kanton für Schwarzbrache ab September beantragen 
  2. Keine Gräser verwenden
  3. Brassicaceae/Kreuzblütler 
    (z.B. Winterrübsen, Sareptasenf, Ölrettich, Senf) können verwendet werden.
    Sie enthalten Glukosinolate, welche für Zikadennymphen giftig / abschreckend sind. 
  4. Weitere Zwischenkulturen sind derzeit in Abklärung 
    (z.B. in Versuchen an der HAFL 2025/26). Momentan können noch keine eindeutigen Aussagen dazu gemacht werden.  

Achtung – mögliche Zielkonflikte:  

  • In Gebieten mit Risiko für die viröse Vergilbung kann Senf ein wichtiges Virusreservoir sein. Für die anderen Brassicaceae Arten liegen keine Erkenntnisse dazu vor. Phacelia ist ebenfalls ein bekanntes Virusreservoir.  
  • Bei Fruchtfolgen mit Raps ist bei einer Zwischenkultur mit Brassicaseae auf Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) sowie auf eine mögliche Vermehrung von Brassica-spezifischen Schädlingen und Krankheiten zu achten.