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Schweiz. Fachstelle für Zuckerrübenbau
Scheuerackerweg 22
3270 Aarberg
Tel. +41 32 392 47 47
Fax +41 32 392 56 60
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Die Grüne 16.12.10

Die Kampagne in den Zuckerfabriken ist beendet und noch nie in der Geschichte wurden so hohe durchschnittliche Zuckergehalte erreicht. Gleichwohl kam es teilweise zu Störungen in der Filteranlage im Werk Aarberg. Bedingt durch hohe Stickstoffgehalte in Rüben, welche meistens aus Gebieten mit einem hohen Anteil an Moorböden geliefert wurden, verstopften Saftklärfilter. Kann die neue Sorte Svenja mit ihren tiefen Stickstoffwerten und höchster Ausbeute dieses Problem entschärfen helfen?

Was kann die Neue besser?
Trotz kleineren Problemen bei der Verarbeitung ist es nach einem Jahr mit hohen Zuckergehalten nicht nötig, die Sortenauswahl gänzlich auf den Kopf zu stellen. Vor allem aus der Westschweiz (Gebiete mit extremer Trockenheit) wurden neue Rekordzuckergehalte von über 23% verzeichnet. Zuckerreiche Sorten profitieren auch 2011 wieder überproportional von den Qualitätszuschlägen. Die neue Sorte Svenja von KWS, eine weitere zuckerbetonte Qualitätsrübe, passt somit exakt auf gehaltreiche Böden mit hohem Stickstoffnachlieferungspotential. Sie ist ebenso geeignet für weite Anfuhrdistanzen und niederschlagreichere Gebiete. Als Gegenpol dazu, figuriert die bewährte ertragreiche Ernestina, welche vor allem gerne in der Westschweiz wegen ihrer überdurchschnittlichen Ertragsleistung ausgesät wird. Ernestina glänzt ebenfalls mit sehr tiefen Amino-N Werten. Weiter hat sich die Sorte Debora in ihrem ersten Anbaujahr mit einem Marktanteil von über  40% in der Ostschweiz etabliert. Debora zeigte gerade im Einführungsjahr eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten. Daneben hat sie von allen Sorten die geringste Blattmasse mit der schwächsten Bodenabdeckung. Sie verlangt einen umfassenden Fungizidschutz, will man ihre Topleistung ausreizen. Wer weniger Zeit für Kontrollen und Fungizidspritzungen einsetzen will, ist mit den blattgesunden Sorten Budera oder Robinson gut bedient. Beide Züchtungen erreichen ebenfalls hohe Zuckergehalte. Als Mittelwert zwischen Zuckergehalt und Rübenertrag bietet sich die Sorte Rosandra an. Sie ist blattreich, aber anfällig auf Blattflecken und verlangt entsprechende Fungizidmassnahmen. Die Resultate aus den Sortenversuchen der Fachstelle können Sie jederzeit im Internet unter www.zuckerruebe.ch/Sortenbericht2010  abrufen.

Theresa gegen Wurzel-Nematoden
Diese Spezial-Sorte mit hohem Zuckergehalt ist für Betriebe im Gemüseanbaugebiet mit Kohlgemüse-Rüben Fruchtfolgen vorgesehen. Das Saatgut  von Theresa ist gegenüber Wurzelnematoden tolerant und entsprechend teurer. Es soll deshalb bevorzugt auf den befallenen Standorten eingesetzt werden.

Syncro gegen Rhizoctonia-Wurzelfäule
Wurzelfäule (verursacht durch Bodenpilze) tritt vor allem schweren und feuchten Böden, bei schlechter Bodenstruktur, tiefem pH, hohem Gülleeinsatz und  maislastigen Fruchtfolgen auf. In solchen Fällen kann auf die Spezialzüchtung Syncro zurückgegriffen werden. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist ihre Teiltoleranz gegenüber Kopfälchen (Ditylenchus). Diese Sorte liegt aber in der Leistungsfähigkeit unter Nichtbefall um 15% zurück.

Saatgutqualität
Alles angebotene Saatgut in der Schweiz liegt bezüglich Feldaufgang auf sehr hohem Niveau. Trotzdem haben die Züchter in den letzten Jahren die Keimkraft und die Triebfähigkeit des Saatgutes nochmals verbessert. Die neuen Saatguttechnologien bringen nach Züchtermeinung Mehrleistungen, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei unsachgemässer Lagerung des Saatguts, die Keimkraft rapide abnehmen kann. Deshalb lautet die Empfehlung der Fachstelle:

  • Halten Sie die Saatgutresten so klein wie möglich
  • Steuern Sie, falls möglich, den Saatguteinkauf über den Lohnunternehmer
  • Horten Sie auf dem Betrieb keinen Jahresbedarf an Saatgut. Dieses wird zentral in den Fabriken gelagert. Im Falle von Nachsaaten (Bsp. Frostschäden) ist es rasch verfügbar
  • Saatgutresten sind sofort nach der Saat aus der Maschine zu entfernen und anschliessend gut verschlossen im Originalkarton aufbewahren
  • Der Lagerraum sollte trocken sein ohne dass die Luftfeuchtigkeit stark schwankt (ungeeignet sind Räume wie Waschküchen, Naturkeller, Futtertennen etc.)
  • Optimal ist eine Lagertemperatur zwischen 10°C und 18°C

Saatgutbeizung

Das Insektizid Gaucho ist ohne Einschränkung beim ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) zugelassen. Gaucho ist wirkungslos gegen Schnecken und Kopfälchen. Nur Saatgut von Debora, Rosandra und Theresa sind auch ohne Gaucho erhältlich.

Anbaufläche 2011
Die Branche (Interprofession) hat sich darauf geeinigt die Quoten für 2011 wieder auf den Stand von 2009 anzupassen. Der Grundpreis bleibt bei Fr. 53.- je Tonne Rüben (Für die ersten 20% =C2-Rüben Fr. 40.-/t Rest = C3 Rüben à Fr. 30.- je t). Die Anbaufläche ist so zu wählen, dass der Stand von 2009 erreicht wird.  Trotz neuen Sorten ist davon auszugehen, dass wieder einmal ein durchschnittliches Jahr eintreten kann, so dass die Flächen nicht zu knapp bemessen sein dürfen.


Kurzbeschrieb der Sorten für 2011

Sorte

          Vorteile/Nachteile

 

ERNESTINA

 

Bewährte Sorte mit fast einem Drittel Marktanteil in der Westschweiz. Ertragreichster Typ, im Zuckergehalt klar schwächer als die Konkurrenz. Trotzdem erreichte sie in sonnigen Lagen der Westschweiz Zuckergehalte von über 20%. Ihr Blatt ist satt-grün und glänzend. Erzielt eine mittlere Anfälligkeit gegenüber Blattfleckenbefall. Sie ist blattreich mit leicht aufrechtem Wuchs, dennoch gut deckend.

ROSANDRA

Ihr Gelderlös setzt sich gleichmässig aus Ertrag und Zuckergehalt zusammen. Ihr grosses, helles und üppiges Blattwerk ist anfällig auf Blattfleckenbefall, deshalb sind die guten Resultate nur mit entsprechendem Fungizideinsatz realisierbar.

 

ROBINSON

 

Diese Sorte erreicht einen hohen Zuckergehalt. Ihr helles, grosses  Blatt deckt den Boden gut ab. Die überdurchschnittliche Toleranz gegen Cercospora-Blattflecken lässt einen reduzierten Fungizideinsatz zu. Das Saatgut ist vorgekeimt (3-D plus), was Vorteile beim Aufgang und in der Jugendentwicklung zeigt. Wichtig: überschüssiges Saatgut im Originalkarton und dazu in einem Plastiksack verschlossen möglichst kühl lagern.

 

BUDERA

Weist die beste Blattfleckenresistenz bei gleichzeitig gutem Zuckergehalt auf. Sie braucht im Normalfall eine Fungizidbehandlung weniger. Daher ist diese Sorte flexibler beim Fungizideinsatz. Zudem ist sie blattreich mit einem grossen, eher hellen Blatt, welches eine gute Abdeckung des Bodens ergibt.

 

Debora

Ihr hoher Zuckergehalt, mit gleichzeitig gutem Rübenertrag, ergibt den höchsten Gelderlös. Sie ist kleinblättrig, hat ein eher dunkles, gekraustes Blatt. Weil die Blattstiele sehr aufrecht stehen und gleichzeitig die Blattmasse sehr gering ausfällt, sind Bodenabdeckung und Unkrautunterdrückung weniger ausgeprägt. Die Blattfleckenanfälligkeit ist erhöht, deshalb ist die hohe Leistungsfähigkeit nur mit entsprechendem Fungizideinsatz realisierbar. Zeigt zudem, in kleinen Wachstums-Stadien, Schad-Symptome beim Einsatz von  Rübenherbiziden. Diese Blattveränderungen wachsen sich meist innerhalb von drei Wochen aus.

 

 

 

 

Svenja (neu)

Glänzt mit dem höchsten Zuckergehalt und bester Ausbeute aller Sorten. Weil ihre Blätter den Boden eher knapp abdecken,  ist sie geeignet für humose, nährstoffreiche Böden, vorzugsweise in niederschlagreichen Gebieten. Die Zuckerfabrik möchte sie auf Standorten mit langen Bahn-Transportdistanzen. Ihre erhöhte auf Blattfleckenanfälligkeit setzt einen entsprechenden Fungizideinsatz voraus. Der Blattapparat ist unruhig im Wuchs, weil die Sorte zwei Blatttypen aufweist: Die inneren Blätter sind klein, aufrecht und hell, die äusseren sind grösser und neigen sich ab dem Spätsommer dem Boden zu.

 

 

Vorgehen bei der Beanstandug von Saatgut

Ab dem Anbaujahr 2011 ist die Vorgehensweise für Beanstandungen des Saatgutes angepasst worden. Falls der Feldaufgang des 2011 gelieferten Saatgutes nicht den gültigen Normen entspricht, sind Reklamationen mit den Angaben auf der Saatgutverpackung (Etikette), direkt an die Zuckerfabriken (Saatgutlieferant) zu richten. Die Normen sind in den Geschäftsbedingungen für Saatgut auf dem roten Zettel aufgeführt.

Vergleich einer ertragreichen vs. zuckerreiche Sorte

Ernestina                 (Versuche 2008 – 2010)               Svenja           Differenz.
94 t/ha                       Rübenertrag (absolut)                   84 t/ha           - 10 t/ha
17,8%                        Zuckergehalt (absolut)                  18,9%            + 1,1%
89,5%                        Ausbeute (absolut)                         90,6%            + 1,1%
8060.-                        Gelderlös (absolut)*                                   8220.-            + 160.-

Bedingt durch überproportionale Qualitätszuschläge schneidet die zuckerreiche Sorte Svenja gegenüber der ertragreichen Enrestina bezüglich Gelderlös* je ha um 2% oder Fr. 160.- besser ab. Gleichzeitig müssen je ha 10 Tonnen weniger Rüben produziert, gelagert, transportiert und in der Fabrik verarbeitet werden. 

  • * Gelderlös: = Grundpreis (53.- /t Rüben) plus Zuckergehalts- und Ausbeuteentschädigung plus kulturspezifischen Flächenbeitrag (1900.- /ha)

 

  S. Jenni
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